Ab sofort und nur für kurze Zeit, im zweiten Jahr und mit Freude und Stolz: Auch in dieser Vorweihnachtszeit bietet das Weltladen-Team „FairE LISE“-Lebkuchen an. 200 Stück wurden von der Altstadtbäckerei Christ gebacken. Zutaten sind Bio-Mascobado-Rohrzucker von Kleinbauern aus Paraguay, Bio-Mandeln aus Palästina und Bio-Haselnüsse aus der Türkei. Überzogen sind sie mit der Bio-Fairtrade-Kuvertüre aus der Schokoladenmanufaktur Zotter.
Auch 2020 spendete der Weltladen Alzenau 9000 € für die Kinder im Waisenhaus Makumbi in Simbabwe. Der Laden hatte in der harten Lockdownzeit im Frühjahr keine Öffnungszeiten und konnte erst wieder im Mai nur Nachmittags öffnen. Trotzdem hat der Vorstand beschlossen, gerade die Kinder in Makumbi weiter über die Jesuitenmission zu unterstützen. Thomas Kilian vom Team der Jesuitenmission berichtete am Telefon, dass die Schulen in Simbabwe von März bis Oktober geschlossen blieben und auch so die Station in Makumbi unter starken Einschränkungen leben musste. Die wirtschaftliche Lage für viele Familien ist in Simbabwe katastrophal, da viele Menschen vom Verkauf an Marktständen lebten, die jetzt nicht stattfinden konnten. Trotzdem gibt es eine ganz andere Einstellung zu der Bedrohung durch das Virus als in Deutschland. Denn das Leben in Simbabwe ist aus der Sicht der Bevölkerung jeden Tag schon bedroht durch ein brutales Regime und Misswirtschaft und die Folgen der jahrelangen HIV-Ausbreitung.
Unser Laden hat eine neue offene Schaufenstergestaltung. Wer es noch nicht gesehen hat, sollte mal vorbeikommen und das neue Design genießen. Herzlichen Dank an Michaela Lang und die Schreinerei Kresslein, Alzenau, sowie an alle, die mit Ideen, Planung, Aus- und Einbau beteiligt waren. Unser Laden hat so seine Blickschranke verloren und ist näher an den Kunden, die draußen vorbei laufen.
In einer Web-Konferenz schauten wir gemeinsam das Online-Video „Ein gutes Leben – das Jahresthema der Fairen Woche 2020“ (30 Minuten) von Christoph Albuschkat an. Christoph Albuschkat ist im Weltladen-Dachverband e.V. für die Koordination der Fairen Woche zuständig. Das Seminar hat er zur Vorbereitung auf die Faire Woche erstellt. Unter dem Motto: „Fair statt mehr – was wir wirklich für ein gutes Leben brauchen“ beleuchtet es sowohl individuelle und gesellschaftliche Aspekte. Es enthält viele Gedanken und Aspekte, die zum Nachdenken anregen. Nach dem Online-Video schaltete sich Christoph Albuschkat via Internet zu und diskutierte mit.
Schaufenster der HanseMerkur, gestaltet von Schülerinnen und Schülern der Fairtrade-AG der Edith-Stein-SchuleSchaufenster der HanseMerkur, gestaltet von Schülerinnen und Schülern der Fairtrade-AG der Edith-Stein-SchuleSchaufenster der HanseMerkur, gestaltet von Schülerinnen und Schülern der Fairtrade-AG der Edith-Stein-SchuleSchaufenster von Winfried Haase, gestaltet von Schülerinnen und Schülern der Karl-Amberg-MittelschuleSchaufenster von Winfried Haase, gestaltet von Schülerinnen und Schülern der Karl-Amberg-MittelschuleSchaufenster von Winfried Haase, gestaltet von Schülerinnen und Schülern der Karl-Amberg-MittelschuleSchaufenster von Frank Stapf, gestaltet von Schülerinnen und Schülern der Karl-Amberg-Mittelschule
Im Rahmen der Fairen Wochen 2020 in Alzenau hat der Weltladen Alzenau e.V. zur Gestaltung eines partizipativen Schaufensters eingeladen.
Frank Stenger, Sprecher der Steuerungsgruppe der Fairtrade-Stadt Alzenau, erklärte den inhaltlichen Gedanken hinter der Überschrift „FAIR STATT MEHR“. Durch unseren Konsum, durch unsere Lebensweise beeinflussen wir das Leben vieler Menschen des Südens. So erinnern die Fairen Wochen dieses Jahr besonders daran, dass es uns nur gelingen kann ein gutes Leben (buen vivir) für alle auf der Erde zu ermöglichen, wenn wir unser Einkaufsverhalten und auch die Art und Weise unseres Lebensstils immer wieder überprüfen.
Bürgermeister Stephan Noll hinterließ als einer der Ersten seine Sichtweise für ein gutes Leben für alle auf dem Schaufenster. Er wies darauf hin, dass die Stadt Alzenau jetzt schon länger Fairtrade-Stadt ist und erinnerte auch seinen persönlichen Aufenthalt während des Studiums in Peru (Lateinamerika). Damals bekam er hautnah die Lebensbedingungen der Menschen des Südens mit, die ihn bewegen auch jetzt den Fairen Gedanken in Alzenau weiter zu tragen. Walter Lang, Vorstandsmitglied des Weltladens Alzenau, lud alle anwesenden Stadträte und auch Vertreter der Fairtrade-Schulen das Schaufenster des Weltladens mit zu gestalten und den Worten, die geschrieben wurden auch Taten folgen zu lassen.
Neben dem Schaufenster des Weltladens wird in den Fairen Wochen in Schaufenstern verschiedener Geschäfte Alzenaus die Gedanken der Fairen Wochen von Schülern präsentiert.
Im Rahmen der Fairen Wochen 2020 der FAIRTRADE-Stadt Alzenau lud der Weltladen zu einem Abend mit dem Alexander Sitter ins Maximilian-Kolbe-Haus eingeladen. Alexander Sitter ist Referent für Lateinamerika in der Diözese Würzburg.
Mehr als 7,5 Millionen Quadratkilometer macht die Fläche des Amazonasgebietes aus, in dem 3 Millionen Indigene (390 unterschiedliche Völker) im Regenwald leben. Der fünfte Teil des Süßwassers der ganzen Erde kommt aus diesem Gebiet und auch der fünfte Teil der Atemluft der gesamten Erde wird in dieser Region produziert. Die Amazonas-Region ist der größte CO2-Speicher der Erde. 70% der Krebsmedikamente haben ihre Grundlagen im Amazonas-Gebiet. 20% der Fläche des Regenwalds ist schon abgeholzt durch Rodung oder und illegalen Holzeinschlag. Bedroht wird das Amazonas-Gebiet – so der Referent Alexander Sitter – durch Agro- und Viehindustrie, große Minenprojekte zum Abbau von Bauxit und Gold, Vergiftung der Flächen durch unsichere Förderung von Öl. Dies alles führt letztlich zu einem Genozid an den indigenen Völkern. In einem Einspieler ließ der Referent die bekannte Schauspielerin Kay Sara mit ihrem eindringlichen Appell zu Wort kommen: „Das Problem ist nicht, dass ihr nicht wisst, dass unsere Wälder brennen und unsere Völker sterben. Das Problem ist, dass ihr euch an dieses Wissen gewöhnt habt. Ich sage euch also, was ihr alle wisst: Vor einigen Jahren trockneten die Nebenflüsse des Amazonas zum ersten Mal seit Menschengedenken aus. In zehn Jahren wird das Ökosystem des Amazonas kippen, wenn wir nicht sofort handeln. Das Herz dieses Planeten wird aufhören zu schlagen. Das sagen unsere und das sagen eure Wissenschaftler, und vielleicht ist es das Einzige, worin sie sich einig sind. Wir werden untergehen, wenn wir nicht handeln.“
Viele bedenkliche Gesichter bei den Zuhörer*innen hinterließen die Appelle zum mutigen Handeln jetzt: Weniger Verkehr und bessere Mobilitätskonzepte, weniger Fleisch-, bzw. nur regionaler Fleischkonsum, Unterstützung des Fairen Handels und politisch aktiv werden für die Lunge der Welt. „Wir sind Teil eines großen Hauses, „casa commun“, oder um mit Papst Franziskus in seiner Enzyklika „Laudato si“ zu sprechen: Alles ist mit allem verbunden. Walter Lang vom Vorstand des Weltladens bedankte sich für den eindrucksvollen Vortrag und für die Ermutigung. Der Weltladen mit seinem Angebot und dem großen ehrenamtlichen Engagement in Alzenau ist ein wirkungsvolles Zeichen, dass Menschen „für ein gutes Leben für alle“ bewegt werden können. So lautet nämlich das Motto der diesjährigen Fairen Woche.
Auf die Änderungen der Mehrwertsteuersätze durch die Bundesregierung musste auch der Weltladen Alzenau reagieren. Der Vorstand des Weltladens hat sich eindeutig dafür ausgesprochen, die Mehrwertsteuer-Mehreinnahmen an das langjährige Projekt zur Unterstützung des Waisenhauses in Makumbi, Simbabwe zu spenden. Auch die Menschen in Simbabwe leiden unter der Corona-Krise. Umfangreiche staatliche Unterstützungsprogramme wie hier in Deutschland gibt es dort nicht. Der Weltladen Alzenau fördert mit den Mehrwertsteuer-Mehreinnahmen die Kinder in Makumbi, die diese Hilfe besonders dringlich benötigen. Gleichzeitig wird der riesigen Aufwand einer doppelten Preisänderung vermieden. Mit einem Spendenbarometer im Laden werden die Käuferinnen und Käufer informiert und können selbst so auch immer etwas zum Spendenprojekt beitragen.
Spendenbarometer für das Projekt Makumbi, 21.8.2020
Vom früheren Leiter der Missionsstation, Father Admire Nhika, erreichte den Weltladen eine Nachricht, in der er von dramatischen Situationen in diesem krisengeschüttelten Land berichtet: Die Schulen sind seit März geschlossen und keiner weiß, wann ein Beginn des Unterrichts wieder startet. Der öffentliche Nahverkehr, der vor allem mit den bekannten Kleinbussen betrieben wird, wurde verboten, so dass es für viele Menschen sehr schwer ist, sich im Land fort zu bewegen. Dazu kam seit Mai ein sehr harter Winter für simbabwische Verhältnisse. Covid 19 zerstört so sehr vieles, was im Aufbau begriffen war.
Wie ihr sicherlich der Berichterstattung in den Medien entnommen habt, werden im Rahmen der staatlichen Corona-Unterstützungsmaßnahmen ab 1. Juli 2020 für den Zeitraum von 6 Monaten die Mehrwertsteuersätze von 19% auf 16% bzw. von 7% auf 5% reduziert.
Für uns als Weltladen Alzenau stellt sich die Frage, wie wir grundsätzlich mit dieser Mehrwertsteuersenkung umgehen. Prinzipiell wären drei Varianten denkbar:
Weitergabe der Mehrwertsteuersenkung an unsere Kunden: Dies würde zu einer Änderung der Verkaufspreise für alle unsere Waren zum 1. Juli 2020 führen. Eine zweite Änderung der Verkaufspreise müsste zum 2. Januar 2021 vorgenommen werden, wenn die Mehrwertsteuersätze wieder auf das alte Niveau zurückgeführt werden. Ihr könnt euch sicher vorstellen, welchen Aufwand das bedeuten würde (Änderung der Preisetiketten, Änderung der Preise im Kassensystem, „krumme“ Verkaufspreise usw.).
Bei gleichbleibenden Kundenpreisen verbleiben die Mehrwertsteuermehreinnahmen im Weltladen Alzenau. Dafür gäbe es gute Gründe, da auch der Weltladen Alzenau aufgrund der Corona-Krise erhebliche Mindereinnahmen zu verzeichnen hat (Umsatzrückgang im April 2020 ca. 80%, im Mai 2020 ca. 40%).
Die Kundenpreise bleiben unverändert und wir spenden die Mehrwertsteuermehr-einnahmen an unser langjähriges Förderprojekt „Waisenhaus Makumbi“.
Der Vorstand des Weltladen Alzenau hat sich eindeutig für Variante 3 ausgesprochen. Auch die Menschen in Simbabwe leiden unter der Corona-Krise. Umfangreiche staatliche Unterstützungsprogramme wie bei uns in Deutschland gibt es dort nicht. Wir fördern mit den Mehrwertsteuermehreinnahmen die Kinder in Makumbi, die diese Hilfe besonders dringlich benötigen. Gleichzeitig vermeiden wir den riesigen Aufwand einer doppelten Preisänderung. Für die Kundenkommunikation wird es einen Flyer mit Kurzinformationen und ein Plakat mit einem „Spendenbrunnen – Mehrwertsteuer für Makumbi“ geben, das im gesamten 2. Halbjahr den jeweils aktuellen Spendenstand zeigt.